Neue Märkte für deutsche Sägeindustrie

  • February 27, 2007
  • • Source: IHB Fehrle
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Nadelschnittholz nach Osteuropa, trotz wachsender Einschnittskapazitäten in dieser Region? Verstärkte Gartenholzproduktion trotz Importware aus Polen und Baltikum? Mehr Export in die Levante trotz russischer oder österreichischer Platzhirsche? Auf dem Sägewerkskongress am 5.-6. Februar in Ulm konnten sich die 400 Teilnehmer Anregungen für neue Absatzmärkte holen. Gilt es doch die zusätzlichen Einschnittskapazitäten in Deutschland auf dem Markt unterzubringen. Auch die zusätzlichen Mengen, die bislang in die USA exportiert wurden, müssen zumindest in diesem Jahr auf Alternativmärkten verkauft werden.

Levante
Die nordafrikanischen Länder und die arabische Halbinsel wurde den Kongressteilnehmern sowohl von Thorsten Leicht, Pöyry Consulting als auch von Martin Langen, B-L Marktdaten empfohlen. Thorsten Leicht sieht eine wachsende Nachfrage nach Schnittholz in Nordafrika und im Nahen/Mittleren Osten. Während Schweden, Finnland und Österreich im vergangenen Jahr ihre Marktposition ausbauten, lieferte Deutschland weniger. Die Levante-Staaten, allen voran Ägypten und Algerien, hätten ein Potenzial für höherwertiges Schnittholz. Der Unternehmensberater warnte die Säger davor, sich auf den Exporterfolgen auszuruhen: "Deutschland ist auf den Märkten mit den größten Wachstumsraten - vor allem China und der Levante – kaum präsent."

Osteuropa statt Spanien
"Osteuropa und Levante statt Spanien", ist die Devise von Martin Langen. Auf dem spanischen Immobilienmarkt sei spätestens 2009 mit einem Einbruch zu rechnen. "Importeure sind in dieser Situation immer die Verlierer", empfahl Langen in Ulm den auf der iberischen Halbinsel engagierten Unternehmen eine Rückzugstrategie. "Deutschland vernachlässig die Levante", kritisierte der Berater. Er verweist auf die rumänisch/österreichische Sägeindustrie und deren Erfolge in den Anrainerstaaten des Mittelmeers.
Im Auftrag des Holzabsatzfonds hatte Martin Langen die osteuropäischen Nachbarländer als potenzielle Absatzmärkte für die deutsche Holzindustrie unter die Lupe genommen. "KVH und Brettschichtholz sind in Tschechien eine zu besetzende Lücke", sieht er nicht nur dort gute Chancen. Er verweist auf die rasante Expansion der Baumärkte in Tschechien, Polen, Ungarn oder Rumänien. "Die örtliche kann die DIY-Branche meist nicht beliefern, da ein Top-Logistik notwendig ist", sieht Langen die mitteleuropäischen Großsägewerke im Vorteil. Der zunehmende Bau von Einfamilienhäusern führe zu einem Bedarf an Importware.
Die deutsche Holzindustrie könne auch vom zunehmenden Aufbau der Handelsstrukturen in Osteuropa profitieren. Martin Langen stellte in Ulm beispielhaft den Nadelschnittholzvertrieb in Polen und Tschechien vor.

Nadelschnittholzvertrieb Polen
Besonders in Polen sieht Martin Langen eine zunehmende Bedeutung des Holzhandels. Den gesamten inländischen Nadelschnittholzmarkt taxiert er auf 382,3 Mio. € (Stand 2005). Davon werden 60% direkt vermarktet. Der Großhandel hat einen Anteil von 15%, der Fachhandel von 20%. Die so genannten "Sklad drzewny" (Holzlager) haben eine Groß- und Fachhandelsfunktion. Die "Hurtowina" genannten Großhändler sind meist kleiner als die "Holzlager". Die Zahl der "Sklad drzewny" (Holzlager) schätzt Langen 5% des im Inland erzeugten Nadelschnittholzes wird über Baumärkte verkauft. Im hohen Anteil des Direktvertreibs an den Endverbraucher spiegelt nach wie vor die kleinstrukturierte Sägeindustrie wieder. "Die Situation in Polen ist vergleichbar mit der in Deutschland vor 20 Jahren, die rumänische Sägeindustrie liegt bei den Distributionswegen 40 Jahre hinter Deutschland zurück", zog der Marktforscher einen Vergleich. Von den über 3000 Sägewerken in Polen produzieren weniger als 20 Betriebe mehr als 100.000 cbm/Jahr. Auf Grund des Konzentrationsprozesses werde der Direktvertrieb abnehmen, prognostiziert Langen.
Der Importbedarf Polens lässt sich auch daran ablesen, dass der Schnittholzverbrauch mit 3,92 Mio. cbm 2005 erstmals die Produktion (3,91 Mio. cbm) überschritten hat. Nach Einschätzung von Langen wird die Produktion auch in den kommenden Jahren langsamer wachsen als der Verbrauch. Für 2008 prognostiziert er für Polen einen Schnittholzverbrauch von 4,45 Mio. cbm und eine Produktion von 4,25 Mio. cbm.

Nadelschnittholzvertrieb Tschechien
Ähnlich wie in Polen überwiegt in Tschechien beim Nadelschnittholz der Direktvertrieb. Langen beziffert den Anteil mit 45% des gesamten Marktvolumens von 334 Mio. €. Der Anteil der Fachmärkte liegt bei 9% und der Großmärkte bei 7%. Baumärkte vertreiben nur 1% der tschechischen Inlandsproduktion. Die von mittelgroßen Sägewerken geprägte Struktur in Tschechien (20.000-80.000 fm Einschnitt) lässt Platz für den Import höherwertiger Produkte.
Das größte Marktpotenzial haben gemäß der Analyse von Langen die Großhandelsprodukte KVH und Brettschichtholz. Für KVH prognostiziert er einen Anstieg des Marktvolumens von 21%, für Brettschichtholz von 24%.

Boommarkt Türkei
Was die Baukonjunktur anbelangt, sind Russland und die Türkei die Märkte mit dem höchsten Potenzial. Für Rumänien spricht hohe Anteil an Einfamilienhäusern mit einer meist hochwertigen Ausstattung. Die Zahl der Fertigstellungen lag 2005 bei 26.800. In der Türkei gibt es einen jährlichen Bedarf von zusätzlich 1 Mio. Wohnungen. 2005 wurden 217.000 Einfamilienhäuser fertig gestellt. Die Schnittholzproduktion in der Türkei kann besonders in den kommenden Jahren bei weitem nicht mehr gedeckt werden. Für 2008 prognostiziert Langen eine Schnittholzproduktion in der Türkei von 6,95 Mio. cbm und einen Verbrauch von 8 Mio. cbm.

Dauerbrenner Gartenholz
Als konstante und konjunkturunabhängige Größe sieht Prof. Udo Mantau Holz im Garten. 2005 lag der Verbrauch bei 1,44 Mio. cbm und einem Umsatz von 1,3 Mrd. €.