Laminatboden: Direktdruck als strategisches Kernprodukt

  • September 30, 2007
  • • Source: IHB Fehrle, Fotos: Egger, Bürkle, EPLF
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Direktdruck Egger BrilonViel Zeit haben sich die Marketing- und Vertriebsleiter von Egger genommen, um die strategische Bedeutung des im Direktdruck-Verfahren hergestellten Laminatbodens zu erläutern. Ende September hat man die Fachpresse nach Brilon eingeladen. Im Egger-Konzern wird künftig viel auf den Geschäftsbereich Laminatboden ausgerichtet. Selbst der gerade gestartete Sägewerksbau in Brilon und die Laminatbodenfertigung sind miteinander verknüpft.

Direktdruck – Mitbewerber ziehen nach
Etwas stolz ist man bei Egger schon auf die neue Anlage in Brilon. Schließlich darf man sich gemeinsam mit Meister zu den BuerkleDirektdruck-Pionieren zählen. Bestätigt wird die Investitionsentscheidung die Bestellungen der Mitbewerber im Lauf des Jahres (Kaindl, Yildiz Entegre). Die Anlage bei Egger ist sowohl auf die Produktion von Möbelteilen als von Laminatboden ausgelegt. Allerdings sieht man bei Egger diese Möglichkeit eher als "Netz und doppelten Boden". Ziel ist die ausschließliche Produktion von Laminatboden.

Baumärkte im Fokus
Hymmen BuerkleGegenüber den Mitbewerbern kann man bei Egger bereits auf die Erfahrung von 6 Mio. qm direktbedrucktem Laminatboden seit dem Produktionsstart im Herbst 2006 zurückblicken. Für das Gesamtjahr 2007 will man noch eine Produktionsmenge von 9 Mio. qm auf der Hymmen-Anlage (Jahreskapazität 30 Mio. qm) erreichen.
Auch wenn einige Journalisten auf der Pressekonferenz am 27. September in Brilon zweifelten, ob die Produktionskosten beim Direktdruck auf Grund der hohen Investitionen in die Drucktechnik wirklich unter denen des im herkömmlichen DPL-Verfahren hergestellten Verfahrens liegen, sieht man sich bei Egger auf dem richtigen Weg. Der bei Egger als "Directprint" (DPR) bezeichnete Boden ist klar in den Massensortimenten der Endverbraucher-Preisklasse ±10 €/qm positioniert. Die Kollektionen sind stark auf den einstufigen Vertrieb ausgerichtet (Sortiment "Spirit"), wenn man auch mit der "DPR-Laminatbodenkollektion" den Großhandel beliefert. Mit der Dicke von 7 mm, der Nutzungsklasse 31 und neun Holzdekoren (Merbau, 2xEiche, 2x Nuss, Kirsche und 3x Buche) bewegt man sich ebenfalls im Mengenabsatz der unteren Mittelklasse.
Als Verkaufsargumente steht die Umweltfreundlichkeit im Vordergrund. Die Ökobilanz soll in Kürze veröffentlicht werden. Aber auch mit der gegenüber dem DPL-Laminatboden verbesserten Haptik und dem geringeren Trittschall sollen Endkunden überzeugt werden.

Ziel: 20% Marktanteil
LaminatbodenWie sehr Egger auf den Direktdruckboden setzt, erkennt man an der Gesamtstrategie der Laminatbodenproduktion im Konzern. Das Ziel für 2010 liegt bei 80 Mio. qm. Damit will Egger einen Marktanteil von 20% auf dem europäischen Laminatbodenmarkt erreichen. In Brilon wird ausschließlich Direktdruck produziert, in Wismar konzentriert man sich künftig auf den "klassischen" DPL-Boden (Kapazität 50 Mio. qm/Jahr). "Beide Technologien werden auf dem Markt ihren Platz haben", zeigte sich Stefan Pletzer, Geschäftsführer Egger Einzelhandel, auf der Pressekonferenz überzeugt.

Laminatbodenpreise kommen unter Druck
LaminatbodenpreiseEgger richtet sich damit wie Mitbewerber auf die Zweiteilung des Laminatbodenmarktes ein: Wachstum im preisgünstigen Segment bis 10 € sowie oberhalb von 15 €/qm Endverbraucherpreis. Neben Direktdruck scheint auch die Folienbeschichtung (Kronoswiss, BHK, Classen, EPI) ein Weg zu sein, auf den Nachfragerückgang in der mittleren Preisklassen und dem Preisdruck 10-15€/qm reagieren zu können.
Bei Egger verweist man auf die sich seit 2005 abflachende Verkaufskurve von Laminatboden in Westeuropa. So wächst der westeuropäische Laminatbodenmarkt nur noch langsam, die Jahre mit rasanten Zuwachskurven sind vorbei (Westeuropa 2006: +4% auf 285 Mio. qm, Osteuropa +9% auf 88 Mio. qm). Der Export nach Asien ist schon lange keine Alternative mehr, die europäische Produktion von 468 Mio. qm (2006) unterzubringen. Auch im USA-Export sind nicht erst seit der Immobilienkrise die Zeiten der hohen Zuwächse vorbei (2006: -20% auf 68 Mio. qm).

Vorteil Integration von Sägewerk bis zum Laminatboden
Um die Produktionskosten zu senken setzt Egger auch auf das neue Sägewerk. Der Einschnitt von 800.000 fm Rundholz kann man künftig den Bedarf an Sägespänen zu 50% abdecken. Die Versorgungssicherheit des MDF-Werks ist ein Punkt – immerhin benötigt das Laminatbodenwerk mit 184.000 cbm/Jahr 70% der Briloner MDF-Produktion. Ein anderer is es, das Sägewerk gemäß den MDF-Anforderungen fahren zu können. Schließlich kann man eines bei Egger nach 6 Mio. qm im Direktdruckverfahren bereits sagen: die HDF-Qualität ist entscheidender als je zuvor.