Holzbauforum Garmisch - Holzbau will Krise nutzen

  • December 08, 2008
  • • Source: IHB MF
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Der Holzbau will nicht vor der Finanzkrise zurückschrecken. Auf dem 14. Internationalen Holzbauforum in Garmisch-Partenkirchen wurden mehr als nur Durchhalte-Parolen ausgegeben. Gerade im wirtschaftlich schwierigen Umfeld sehen die Holzbauingenieure Chancen. Mit Stolz verwies Prof. Stefan Winter, Technische Universität München, auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts Holzbau der Zukunft. "Die Finanzkrise kann die Umsetzung der Forschungsvorhaben beschleunigen", hob Winter aus den 20 Teilprojekten des bayerischen Forschungsvorhabens besonders Arbeiten zum Thema hochfestes Brettschichtholz aus Starkholzeinschnitt, Leichtholzbeton mit Holzspänen als Zuschlagstoff oder Leichtbauwände in Kombination mit Wabenplatten hervor.

Welche Chancen neue Holzbauprodukte eröffnen, zeigte auf dem Internationalen Holzbauforum Prof. Ario Ceccotti, Institut CNR-IVALSA, Florenz. "Brettsperrholz ist eine der besten Erfindungen der vergangenen Jahre", lobte Ceccotti. Die von Unternehmen wie Mayr-Melnhof, Binder, Stora Enso, KLH, Eugen Decker oder Haas inzwischen in Großserie hergestellten Platten sieht Ceccotti prädestiniert für den Einsatz in Erdbebengebieten. Sein Video von den Erdbeben-Testversuchen eines 7-stöckigen Holzgebäudes aus Brettsperrholz in Japan beeindruckte das Fachpublikum.
Potenzial für mehr Holzkonstruktionen gibt es in Frankreich – dem diesjährigen Gastland des Internationalen Holzbauforums – sowie Großbritannien. In beiden Ländern ist der Holzbau ein Waisenkind. Schwierige Normen und Bauordnungen sowie ein Mangel an gut ausgebildeten Handwerkern behindern in Frankreich den Holzbau. Ob UK-Experte Michael Keller in Zeiten der Finanzkrise seine positive Beurteilung Großbritanniens revidieren muss, werden die nächsten Monate zeigen. Kellers Hauptargument ist die CO2-Politik der englischen Regierung. Wie weit aber auch die englischen Politiker den Klimaschutz in Zeiten der Finanzkrise wieder hintanstellen, vermochte auch Keller nicht zu sagen.

Ein klares Ziel postulierte Prof. Stefan Winter in Garmisch: "Bei Gebäuden bis acht Geschosse muss Holz etabliert sein." Dass in der Holzbauweise sogar noch deutlich mehr drin steckt, zeigte sein Professoren-Kollege Wolfgang Winter, Technische Universität Wien am Forschungsprojekt eines 20-geschossigen Hochhauses in Holzbauweise. Technisch sei die Herausforderung lösbar, auch unter Brandschutz-Gesichtspunkten. Die Kosten dürften 14% über konventioneller Hochhaus-Bauweise liegen. Eine Lücke, die man an der TU Wien für schließbar hält.

Selbstverständlich durften auch in diesem Jahr nicht herausragende Holzbauten fehlen. "Hochleistungs-Bauwerke sind das Branding", betonte Prof. Matti Kairi, Technische Universität Helsinki, die Notwendigkeit immer aufwändigerer und komplexerer Konstruktionen in Holz. Die immer komplexeren Formen und Spannweiten nährten in Garmisch die Hoffnung, dass Holz weiter an Marktanteilen gegenüber Beton, Stahl und Ziegel gewinnen wird.