Egger - Optimistischer Sägewerks-Start in schwierigem Marktumfeld
Nein, das "goldene Loch" für den Nadelschnittholz-Verkauf hat man auch beim Sägewerks-Neuling Egger nicht gefunden. Michael Egger ist aber derzeit dennoch auf zwei seiner über 5700 Mitarbeiter – davon 1001 am integrierten Holzwerkstoff- und Sägewerksstandort Brilon - besonders stolz: Andreas Reiterer, Schnittholz-Verkaufsleiter, und Leopold Atschreiter, Technik-Chef für das neue 800.000 fm Sägewerk (Foto: Atschreiter li., Egger re.). Dass man mit dem Briloner Sägewerk in einem denkbar ungünstigem Marktumfeld startet, daraus macht selbst Michael Egger keinen Hehl. Umso mehr stellt er die Leistungen und Herausforderungen seiner Mitarbeiter in den Vordergrund. Und wenn die Journalisten-Fragen zur Schnittholzvermarktung zu bohrend werden, stellt sich Egger auch mal vor seine Mitarbeiter.Starke Konzern-Struktur gegen schwieriges Marktumfeld
Trotz der schwierigen Marktlage sowohl bei Holzwerkstoffen als auch beim Nadelschnittholz, ist man bei Egger in Brilon vom Erfolg des Sägewerks überzeugt. Man setzt auf die Stärke des in ganz Europa vertretenen Holzwerkstoffkonzerns. Das Sägewerk fügt sich in die 16 Spanplatten-, MDF- und OSB-Werken des Tiroler Familienunternehmens ein. "Wir haben die Probleme in allen Werken vor Beginn der Krise gelöst", stellte Michael Egger auf der Pressekonferenz Anfang Juli in Brilon die Position des eigenen Sägewerks innerhalb seines Familienunternehmens mit 1,64 Mrd. Euro Umsatz (Geschäftsjahr 2007/2008) dar. Hier liegt ein großer Unterschied zu anderen Sägewerk-Starts der jüngeren Vergangenheit oder noch geplanten Neubauten. Innerhalb des Konzerns ist das Risiko eines Sägewerks überschaubar. "Wir sind anders als der Wettbewerb", sieht Michael Egger für sein Unternehmen unter den derzeitigen Marktbedingungen mehr Raum für unternehmerische Freiheiten. Bei Egger gibt es keinen Druck von Investoren oder Aktionären. Auch wenn Egger für den Herbst keine Verbesserung des Marktes und sogar einen "Aussortierungsprozess in der europäischen Holzindustrie" erwartet, wird das Sägewerk genügend Möglichkeiten zur Entwicklung haben. Der Holzwerkstoffhersteller kann mit einem anderen Zeithorizont arbeiten, um das Sägewerk auf dem Markt zu etablieren, Bestehende Holzbau-Kontakte
Beim Schnittholzverkauf setzt Egger stark auf das bestehende Vertriebsnetz. Allein 40% des Nadelschnittholzes soll über die etablierten Holzwerkstoffkanäle laufen. Schließlich verfügt Egger mit speziellen Holzbauprodukten aus OSB und MDF über genügend Kontakte in diesem Segment. Weltweit verfügt Egger über 17 Vertriebsbüros, die künftig auch Nadelschnittholz in ihrem Portfolio haben werden.Der Export wird für den Schnittholzabsatz eine wichtige Rolle spielen. Nadelschnittholz-Vertriebschef Reiterer bringt entsprechende Erfahrungen aus Australien und Japan mit. Neben dem Inlandsabsatz (Direktvertrieb und Egger-Vertrieb) werden Absatzmärkte wie Großbritannien (100% Egger-Vertrieb) und Italien (Direktvertrieb und Handel) sowie die räumlich nahen Benelux - Staaten und die Levante eine wichtige Rolle spielen.
Die Produktpalette reicht von Verpackungsholz über Brettschichtholzlamellen und KVH-Rohsparren bis zu Lieferungen an die Fertighausindustrie. Die CE-Zertifizierung für die visuelle Sortierung ist bereits vorhanden, für die maschinelle Sortierung folgt in kürze. Für die Verpackungsindustrie kann Egger spezielle Kurzpakete und Kleinpakete anbieten. Die technische Ausstattung des Sägewerks sowie die relative Nähe zu den Seehäfen sowohl mit Container als auch für die Breakbulk-Verschiffung geben Reiterer beim Verkauf viele Optionen. Vom Highspeed-Hobelwerk und Trocknung (75% der Schnittholzproduktion) abgesehen wird es aber keine Weiterverarbeitung geben. "Wir wollen unsern Kunden keine Konkurrenz machen", sagte Michael Egger auf der Pressekonferenz Anfang Juli.
Synergien zwischen Plattenwerk und Sägewerk
"Das Sägewerk sichert den Standort Brilon." Für Michael Egger sind die Synergien zwischen der MDF- und Spanplattenproduktion auf der einen sowie dem Sägewerk auf der anderen Seiten ein entscheidender Faktor. Bereits von weitem fällt die 1400 m lange Förderband-Brücke ins Auge. Von der Spaner-Linie lassen sich die Hackschnitzel direkt in den Rohstoffbunker der MDF-Produktion transportieren. 40% des Rohholzbedarfes der Spanplatten- und MDF-Linie kann durch das Sägewerk gedeckt werden. Mit dem Sägewerk hat Egger die komplette Produktionskette in einer Hand. Ein Beispiel ist der direktbedruckte Laminatboden, der hohe Anforderungen an die MDF-Platten stellt. Mit den Hackschnitzeln aus dem eigenen Sägewerk kann man den Produktionsprozess noch exakter steuern. In umgekehrter Richtung wird die Wärme der Holzwerkstoffproduktion effizient in den Trockenkammern genutzt.
Die Synergien beginnen bereits beim Rundholzeinkauf. Das Team um Chef-Einkäufer Bertram Cramer (Foto li.) kann der Forstwirtschaft das komplette Qualitätsspektrum abnehmen. Da man bei Egger davon ausgeht, dass mittelfristig der Rundholzeinkauf auf einen 200 km Radius um Brilon ausgedehnt werden muss, sind die für das Plattenwerk bereits vorhandenen Gleisanlagen bis auf den Rundholzplatz des Sägewerks verlängert. 50% des Rundholzbedarfs und der Schnittholzproduktion könnten in Brilon per Bahn abgewickelt werden. Selbst Langholz können die Waldbesitzer liefern. Allerdings werden keine Langholzprodukte produziert.
Das Maß an Synergien zwischen Holzwerkstoffproduktion und Massivholz dürfte in Brilon einmalig sein. Selbst in Radauti, Bezirk Suceava/Rumänien, werden mit dem benachbarten Schweighofer-Sägewerk nicht so viele Möglichkeiten genutzt.