Dendrolight: Vom Säugling zum Interior-Produkt

  • December 16, 2010
  • • Source: IHB / Ingo Lau
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Die Geburtsstunde von Dendrolight ist eng mit dem Namen Weinig verbunden. Als der bekannte Maschinenbauer auf der Ligna+ 2007 seinen ersten "Variomat" vorstellt, steht auf der Bühne ganz rechts in der Ecke ein Hausmodell mit Wänden, Böden, Decken und einem Dach aus einem Werkstoff, den bis dahin nur Eingeweihte gesehen hatten. Das Produkt heißt Dendrolight.Dendroligth-Mittellage

Die Beziehung dieses leichten Holzwerkstoffes zum Maschinenbauer Weinig wird schnell klar, wenn man sich vor Augen hält, wie Dendrolight hergestellt wird. Keilgezinkte Fichten- oder Kiefernbretter werden zunächst auf einem Kehlautomaten kammartig profiliert. Anschließend werden sie zu einer Fläche nebeneinander gelegt und mit weiteren Flächen, jeweils im 90°-Winkel gedreht, zusammen geleimt. Es entsteht der sogenannte Dendrolight-Kuchen, der mit einer Bandsäge zur Mittellage aufgeschnitten wird. Ein Produkt also, wie geschaffen für die Maschinen von Weinig. Erfunden hatte das ganze diesmal kein Schweizer, sondern der Österreicher Johann Berger, der bis heute die Patentrechte hält und das Produkt weiterentwickelt.

Dendroligth LatvijaErster Patent-Nutzer produziert in Lettland
Doch die Idee, den Säugling Dendrolight an der Brust der großen Mutter aus Tauberbischofsheim zu nähren, geht nicht auf. Wahrscheinlich sind die Interessen eines Maschinenherstellers und die eines Holzprodukte-Produzenten dann doch zu verschieden. Und so finden wir Johann Berger und sein Produkt auf der Ligna+ im Jahre 2009 auf dem Stand von Dendrolight-Latvija, dem ersten offiziellen Patent-Nutzer von Dendrolight, der im selben Frühjahr mit dem Bau seiner Produktionsgebäude im lettischen Ventspils beginnt. Im April 2010 erfolgt die Montage der Anlagen. Hier ist die inzwischen verlassene Mutter Weinig noch einmal mit von der Partie. Kappanlage, Keilzinkung und Profilierung stammen vom Tauberbischofsheimer Maschinenbauer, weitere Maschinen liefert die Dendrosolutions GmbH aus Österreich zu. Im September folgt die feierliche Eröffnung von Dendroligt-Latvija.

Seit November läuft die Produktion in Lettland nun auf vollen Touren. Ausgelegt ist sie auf ein Volumen von 100.000 m³, das sich auf insgesamt vier Produkttypen aufteilt. Da gibt es zunächst den Drendrolight-Kuchen, gleichsam Dendrolight im Urzustand. Er ist 135 cm breit, bis zu 300 cm lang und hat eine Höhe von 60 cm. Von diesem Kuchen können sich Verarbeiter Mittellagen in jeder gewünschten Stärke herunterschneiden, vorausgesetzt sie besitzen eine Bandsäge und sind in der Lage die entstehenden 60 cm breiten Lagen anschließend flächig zu schleifen.

Mittellage oder Dreischichtplatte
Wer über diesen, doch etwas ambitionierten Maschinenpark nicht verfügt, kann Dendroligth als fertige Mittellage erwerben, gesägt auf die gewünschte Stärke und fertig geschliffen. Der österreiche Möbelhersteller Team7, genauer gesagt dessen Tochter Alfa, bezieht Dendrolight in dieser Form, beklebt es mit edlen Laubholzdecks und produziert auf diese Weise Massivholzplatten der Marke Alfa.G3 mit rund 40% geringerem Gewicht.

Dendroligth-TürNächste Verarbeitungsstufe im lettischen Werk ist die Dendrolight-Dreischichtplatte, die in Abmessungen von ca. 4 x 2 m und ab einer Stärke von 20 mm aufwärts bis zu 150 mm produziert wird. Als Decklagen kommen MDF, Spanplatte oder Sperholz zum Einsatz. Viertes und derzeit letztes Produkt ist der Dendrolight-Türenrohling, eine Dreischichtplatte mit einem umlaufenden massiven Dendrolight-Rand als Einleimer.

Erschöpfen dürfte sich das Potenzial der Dendrolight-Idee mit diesen Produkten noch lange nicht. Sowohl auf der Prototypen- und Versuchsanlage im österreichischen Euratsfeld als auch im neuen lettischen Werk wird heute schon an den Anwendungen von morgen gebastelt. So könnte es möglicherweise bald Mittellagen aus Pappelholz geben, die noch leichter wären als die jetzigen aus Kiefer. Aber auch ganz andere Produkte wie Palettenklötze aus Dendrolight für Luftfrachtpaletten oder Dendrolight-Einleimer als Stützkante für Wabenplatten wären denkbar.

Zukunft im russischen Hausbau
Auch das Spektrum der Anwendungen, das heute noch sehr stark auf den Möbel- und Innenausbau fokussiert ist, wird sich ausweiten. Da die Platten eine hohe Maßhaltigkeit besitzen und sich mit praktisch allen möglichen Decklagen zu drei- oder mehrschichtigen Platten vereinen können, ließe sich Dendrolight beispielsweise auch für den Bau von Tischtennisplatten vorteilhaft einsetzen. In Kombination mit mineralisch gebundenen Decklagen könnten Brandschutztüren entstehen, ganz zu schweigen von dem weiten Feld des Holzhausbaus, mit tragenden Wänden oder Decken, für die sich der Werkstoff aufgrund seiner wärmedämmenden Eigenschaften empfiehlt.

Aus letzterem Bereich wird es in den kommenden Jahren wohl aus Russland Neuigkeiten geben, wo die nächsten Patent-Nutzer von Dendrolight bereits in den Startlöchern stehen. Hier sollen überwiegend Holzbau-Produkte für den Haus- und Wohnungsbau in Russland entstehen.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Es scheint, als würde das Produkt Dendrolight, das derzeit aus den Kinderschuhen herauswächst, auch ohne Weinig seinen Weg machen. Und dieser Weg führt offenbar nach Osten, denn in Zentraleuropa scheinen derzeit weder die benötigten Rohstoffe in ausreichendem Maße verfügbar zu sein, noch die Bereitschaft für eine 30 Mio.-Euro-Investition in eine Produktionslinie.

Weitere Informationen
DendroLight Latvija
Kustes dambis 32
Ventspils, Latvija
Tel: +371 63626109
Fax: +371 63620858
Internet: www.dendrolight.lv

sowie über Andreas Steinberger,
Tel.: +43 664 2512083,
E-Mail: andreas.steinberger@dendrolight.com